Ob Pistenfräs, Acrofliegen oder einfach in der Thermik aufdrehen und Toplanden, es gibt kein besseres Winterfluggebiet das zu allem hin noch so günstig ist.

Schon am Freitag trieb es Simone und mich in die Nebelfreie Zone des wunderbaren Wallis nach Fiesch. Reto und Pascal kamen dann am Samstag dazu. Im Hotel du Glassie ( oder so ähnlich ) dem ältesten Hotel von Fiesch konnten wir sehr günstig übernachten inclusive Frühstück.
Simone hatte noch mit Ihrer Blockade zu kämpfen und fühlte sich im neuen High-Adventure Gurtzeug noch völlig komisch.
Ich für meinen Teil übte und perfektionierte meine “Runs”. In einem Run flog ich immer dasselbe Programm über ca. 800-900 Höhenmeter. Ein Run besteht aus einem normalen Fullstall, mit dem Vorschiessenden Restschwung zu einem dynamischen Fullstall die wirklich manchmal gut “klappten”
. Dann aus drei Wingover zwei Umgänge asymmetrischer SAT der mit der Zeit richtig Hoch wurde und sehr schön funktionierte. Anschliessend aus der Spirale heraus einen Looping mit anschliessendem dynamischen SAT nach links.
Nach fünf Trainings-Flügen war dann die Puste weg und ich und Simone gönnten uns ein echtes, Walliser Raclette mit anschliessendem Spaziergang im Mondschein…
… ” Warte mal, hörte ich da Mondschein?”…
Es war kurz vor Vollmond und das Fischertal wurde dadurch hell beleuchtet. Ich und Simone sahen uns an und beide dachten das Gleiche: Vollmondflug!
Die letzte Bahn ging jedoch um 22:00 hoch und es war 21:55 Uhr. Zu spät um noch die Schirme im Hotel zu holen und hoch zu fahren. Egal, morgen ist auch noch ein Tag.
Am Samstag trafen wir Reto, Pascal, Silvan und Andrin. Die Thermischen Verhältnisse waren recht gut und alle konnten sich vor dem Startplatz halten. Doch wie es so in Fiesch ist, waren wir nicht die einzigen. ca. 15 andere Piloten tummelten sich im kleinen Thermik-Schlauch und keiner achtete auf den andern. Einer flog seine Kreise nach links, alle andern nach rechts und einer Quetschte sich kreuz und quer durch die Traube. Mir wurde es dann zu viel und ich Crashte fast mit so einem Deppen zusammen. Also raus aus dem Getümmel und ab auf die Skipiste einen geilen Race flitzen. Reto folgte mir dabei mit seiner Helmkamera. Es ist schon beindruckend, wenn man 50cm direkt vom Boden entfernt auf der Piste entlangzischt. Mal da einen Skifahrer verfolgen, mal da einer Gruppe Boarder den Weg versperren und immer ein paar nette Sprüche obendrauf.
Natürlich hatte Reto äusserst grosse Mühe, mir zu folgen, weil er immer meine niedlichen Randwirbel zu spüren bekam. So flogen wir auch gemeinsam ins Tal hinaus, während Reto supergeile Aufnahmen machte. Immer wieder versuchten wir einander auf die Kappe zu stehen. Einmal fehlten nur fünf Zentimeter und Reto währe auf meiner “Augenweide”, ich meine mein Twisterli, gelandet. Voll fet! : ) Das müssen wir weiterhin üben, war ganz cool
Und auch für einen “Stabilofick”, äh, ich meine Wingtutch, hats noch gereicht
Nun, über dem Tal angekommen, filmte mich Reto bei meinen Fullstall-Versuchen. ( Ich hoffe, ich sehe die Aufnahmen bald)
Nach dem ersten normalen Fullstall hatte ich ein ziemlich grosses Vorschiessen. Es war schön symetrisch und perfekt um einen sauberen dynamischen Fullstall zu reissen. Also, “Zack!”, unter dem Schirm wieder durch, pendelte ich hoch. Nun sachte anbremsen und abwarten. Und, genauuu … JETZT!!! die Bremsen voll durchziehen.
Es entleerte sich einfach alles, was man beim Twisterli entleeren kann. Jede einzelne Kammer, jede Zelle entleerte sich für einen Bruchteil einer Sekunde, wobei es mir eine Ewigkeit vorkam. Die Austrittskante Krümmte sich zur Eintrittskante und formte sich vor mir zu einem dünnen Faden, der unter dem Horizont hinter mir stand. Es kam mir wie eine Ewigkeit der Schwerelosigkeit vor, einen Moment, als sei alles ausser Kontrolle geraten. Keinen Druck auf den Bremsen. Ich schwebte über der zusammengerollten Kappe.
Nun kam die Vorfüllphase. Ich liess die Bremsen wieder ein wenig hoch. POFFF!!! Es gab einen Riesenchlapf im Schirm und alles flog wieder als ich unter dem Schirm durchgependelt war. Geil, ich hatte ein erster richtiger dynamischer hoher Fullstall geflogen. Dann doch gleich ein paar fette Wingovers und etwas hinter dem Nullpunkt einen sehr, sehr hohen Asymmetrischen SAT. Ein bisschen zu hoch, das es noch einer war, ich gaube eher, an ein versehentliches Tumbling. Rasch ausleiten damit ich kein blaues Auge im Gesicht habe. Dann noch ein Loop und dynamischer SAT.
Das war mit Abstand der Geilste Run dieser Tage in Fiesch, den ich flog.

Auch Simone hatte ihre Glückssträhne und konnte am Startplatz Toplanden. Sie gewann wörtlich das Vertrauen in Ihr Schirm wieder und hatte nun echt Spass am fliegen. Ich bin soooo glücklich und alle waren Happy. Simone fragte Xandy, Fluglehrer von der Flugschule “Flug-Taxi”, wegen der Anmeldung der Nachtflüge in Fiesch und prompt hatten wir eine Einladung mit Fondue und Start um 21:30Uhr .
Um 18:00Uhr gings dann hoch auf den Gipfel in eine niedliche, kleine Alphütte zum Fondue. Dabei lernten wir unter anderem den plapprigen und lustigen Piloten Gummipeter kennen, der uns mit einfachen Mitteln das Spielen beibrachte
( Achtung: Insider!)
Gegen 21:30Uhr gings dann hinaus auf die Startpiste.

Es war Bibberkalt. Nach zwei Startabbrüchen von Simone konnte ich dann bei Ihrem dritten Versuch direkt hinter ihr her starten. In der Luft dann die Taschenlampe an einer Schnur, ca. einen Meter unter meinem Gurtzeug montiert, herausgebambelt, drehte diese friedlich unter mir und signalisierte meine Anwesenheit deutlich.
Dann, Genuss pur. Am Horizont verschneite Gipfel, kleine, blinkende Lämpli und Autos unter mir. Ein angenehmer frischer Wind und Totenstille Luftverhältnisse. Es könnte kaum perfekter sein. Einfach geniessen. Einfach chillen. Noch ein wenig über das Lichtermeer fliegen. Und, da ist ja auch noch Simone die mir irgendetwas schönes zuruft
Ich schaue nach oben zu meinem Twisterli und sehe dahinter ein Meer voller Sterne und ein Mond, der schon ganz voll ist.
Noch ein gemütlicher SAT und ein par Wingover um dann schon leider wieder zur Landung ansetzten.
Alle sind Happy, alle sind glücklich und totmüde, aber sehr, sehr zufrieden.
Mit dem Sonntag neigten sich dann auch schon Simone`s und meine Ferien dem Ende zu. Simone konnte wieder Toplanden und Reto und ich machten noch ein paar Pistenfräs und Filmaufnahmen.
Es war eine sehr schöne Zeit mit euch allen und sicherlich nicht das letzte mal in Fiesch.
Entweder sehen wir uns nächstes Weekend in Adelboden oder sonst übernächstes im altbekannten Engelbergertal auf der nebelumhüllten Brändlen am Parawaiten…
Bis dann Greez