Brändle, 21. / 23.12.2009

Juppii, endlich Weihnachtsferien und endlich wieder fliegen. Seid drei Wochen bange ich schon darum, endlich wieder in die Lüfte zu kommen und meinen heiss geliebten Twisti im Heli drehen zu lassen.
Dass Militär lässt mir wenig Freiraum, um an den Wochenenden trainieren zu gehen, weil das Wetter in den letzten drei Wochen nie so richtig passte. Fast hätte ich bleibende Schäden davongetragen, wenn ich nicht diese Woche zum fliegen gekommen währe.
Am Montag sowie am Mittwoch gingen Marco und ich an der Brändlen fliegen, wobei das Wetter recht wechselhaft war und der Nebel wieder sein Spielchen mit uns trieb. Ja, es hat Schnee und ist Ar…chalt! -17°C zeigte das Thermometer am Montagmorgen um 08:30 auf der Brändlen an. Es gibt wahrscheinlich nur zwei psychisch, recht instabile Piloten, die bei diesen Verhältnissen fliegen gehen.
Jedenfalls hatte es auch ziemlichen Schnee und Marco hatte die Glorreiche Idee, einen Pistenfräs vom Südstartplatz zu machen. Stolz wollte er mir zeigen wie das geht und wie das ein erfahrener „Profipistenfräsler“ so macht. Er startete, drehte den Schirm Richtung Hang ein, zog eine lange Kurve und machte einen wundervollen Touch. Doch aus irgendeinem Grund touchte er weiter und weiter und kam nicht mehr vom Boden los, bis er nach ein paar Umgängen „Infinity-Purzelbaum“ zum Stillstand kam. Tya, ich startete dann und winkte ihm noch von oben herab mit einem dezenten Lächeln zu, flog übers Tal und begann meine Manöver. Marco kam erst eine Ewigkeit später und liess den Pistenfräs dann für den Rest des Tages aus : )
Der Föhn kam schon gegen Mittag recht früh und brach schlussendlich schon um halb drei ein, wobei ich gerade noch die letzte Null-/Abwindphase erwischte und Marco mit der Bahn wieder herunterfuhr. Er wollte noch mit seinen Snowblades starten, konnte jedoch aufgrund sehr starkem Abwinds nur noch mit seinen Blades zur Bergstation fahren.
Am Mittwoch sah das Wetter dann ziemlich undefinierbar aus. Am Morgen um 09:00 regnete es. Gegen Mittag verzogen sich dann die Wolke und ein stahlblauer Himmel versüsste uns den Tag. Und dann, dann kam der Nebel …
Beim ersten Flug am Morgen ist es natürlich klar, das wir traditionsweise schon seit Jahren als erstes Manöver vor dem „Zmorgenessen“ einen Synchron-Dynamik-Fullstall machen. Also ausrichten und schön nebeneinander mal Schwung holen. Dann schwooppss!!, den Schirm vollständig entleeren, den Moment der Schwerelosigkeit geniessen, das vorschiessen bremsen und schon ist`s vorbei. Ich denke, jeder Wecker ist ein sch….dreck dagegen.
Wach wahr ich schon mal. Nun war es an der Zeit, wiedermal den Heli in Angriff zu nehmen. Ich machte meinen ersten Versuch, wobei der Schirm nach drei Umgängen anfing zu oszillieren und ich ausleiten musste. Gut, wieder Richtung Tal ausrichten. Vor mir sah ich Marco, der gemütlich geradeaus flog. Gut, dachte ich. In diesem Fall schaut er mir zu, wie ich den Heli versuche. Also Blick zum Schirm und Sackflug. Paff!! hier ist er, noch ein wenig warten bis der Schirm ganz ruhig ist und dann Zack!! drehen lassen und korrigieren… und korrigieren… und korrigieren und ausleiten und…….
( DIES IST EIN SIMULIERTER SCHRECKMOMENT! )
… Schitt!!!
Bevor ich es überhaupt richtig realisierte zog ich meinen Twisti schon in einen linken Wingover mit sehr wenig Schwung wobei ich den Schirm gar nicht beachtete sondern meinen Blick auf Marco fixierte, der fünf Meter vor mir im selben Moment seinen Heli in meine Richtung ausleitete. Erst sah ich den Schneck, der sich bei der Eintrittskante von Marco`s F-Gravity im Obersegel bei der dritten Zelle von der Mitte aus gesehen links eingenistet hatte. Dann sah ich dem dazugehörigen Piloten direkt in das Schreckverzerrte Gesicht wobei sich in den Brillengläsern von Marco ein noch erschreckenderes Spiegelbild abzeichnete.

WWWWOOOOOOOMMMSSS!!!!… Nur etwa einen halben Meter vor meinem Gesicht zischte Marco an mir vorbei, der sich in einer halben Vrille befand und im selben Moment kam mir ein Schwall von Marco`s Mundgeruch entgegen. Dann zischte ich nur knapp über die hinteren Leinen vom F-Gravity. Hätte ich die Hand rausgehalten, hätte ich mit seinen Brems- und D-Leinen wie bei einer Gitarre drüberstreifen können. Im nächsten Moment befand ich mich im Sackflug, dann ein Frontstall und dann war alles plötzlich Totenstill. Puuhhh, was war denn jetzt passiert? Ich sah nach unten. Wir hatten noch ca. 150-200m. Mein Blick wanderte zu Marco der mir nur schreckempört irgendwas von „ Spinnsch du!“ zurief.
Oke. Wir leben noch. Gut.
Ich flog einfach schnurrstracks geradeaus direkt zum Landeplatz. Wie ich gelandet war, wusste ich gar nicht mehr. Ich wollte einfach nur wissen, wieso Marco mir plötzlich so nahe kam. Marco flog einfach nur mir nach. Sein denken hatte für einen Augenblick ausgesetzt. Ich zitterte nach der Landung am ganzen Körper und das Adrenalin pochte in meinem Schädel. Ich wusste einfach nur eins: DAS WAR ARSCHKNAPP!!!

Marco dachte dasselbe wie ich, als er mich über dem Tal ansah, dachte er, ich würde Ihm zusehen, wie er einen Heli flog. Schlussendlich orientierten sich beide nicht mehr und wir waren schon ziemlich nahe, als wir gleichzeitig den Heli einleiteten. Und der Heli funktionierte bei mir, sowie auch bei ihm nicht richtig und wir leiteten Ihn gleichzeitig wieder aus, mit dem dummen versehen, das dies gegeneinander mit viel zu wenig Sicherheitsabstand geschah.
An die Folgen von dessen möchte ich gar nicht denken. Ich, sowie Marco hatte sicher 40km/h drauf. Währen wir zusammengeprallt ( Pilot gegen Pilot ) Hätte dies einen Aufschlag von 80km/h gegeben. Sprich, ich währe wahrscheinlich bewusstlos geworden. Mit 150m über Grund hätte nicht mal ein Notschirm in dieser Situation etwas gebracht. Wir hatten unheimliches Glück!
Marco, ich bin echt froh, das wir noch leben und ich hoffe, deine nähe in der Luft nie mehr so spüren zu müssen.
Freue mich aber auf weitere tolle und unfallfreie Flüge miteinander ; )
Peace in the Sky